Als dieser Morgen nach der langen Reise begann, war ich ehrlich gesagt wie ein Geist. Mein Körper war da, aber mein Kopf hing noch irgendwo zwischen Städten, Bahnhöfen und Gedanken fest. Kaum Schlaf, komplett im Schwebezustand. Und dann fing der Tag langsam an, mich wieder ins Leben zurückzuziehen. Apple hatte an diesem Morgen ihre große Präsentation, und sofort war dieser kleine Nerd in mir wieder wach. Dieser Teil von mir, der Technik liebt, Zukunft, Design und das Gefühl, dass Innovation auch eine Form von Storytelling ist. Aber Bill musste erst sein Auto abgeben, also wurde aus Bildschirm und Keynote etwas viel Besseres.
Wir sind losgelaufen.
In dem Moment, als wir vor die Tür traten, hat sich etwas verändert. Die Luft war klar, kühl, fast elektrisch. Wir sind durch die Nachbarschaft gelaufen, noch halb müde, bis plötzlich dieser Moment kam.
Die Golden Gate Bridge.
Sie ragte aus dem Nebel wie etwas Zeitloses, fast Mythisches. Nicht einfach eine Brücke, sondern ein Symbol. Wir sind nicht komplett rübergelaufen, nur bis zur Hälfte. Gerade weit genug, dass der Wind mir den Rest Müdigkeit aus dem Gesicht geschlagen hat und mich daran erinnert hat, dass ich wirklich hier bin.
Von dort aus ging es entlang des Highway 101 weiter. Die Stadt hat sich langsam geöffnet. Wir sind an einem verlassenen Militärgelände vorbeigekommen, still, fast filmisch in seiner Leere, und später an einem Friedhof für die Gefallenen des Koreakriegs. Solche Orte berühren mich immer. Sie erinnern dich daran, wie viel Geschichte unter jeder Oberfläche liegt.
Und dann kamen wir zu Industrial Light & Magic.
Das hat mich wirklich tief getroffen.
Der Yoda-Brunnen stand da und plötzlich war meine ganze Kindheit wieder da. All diese Welten, all diese Geschichten, all die Träume, wegen denen ich mich überhaupt in Film verliebt habe. Es war, als würde mein jüngeres Ich mir kurz auf die Schulter tippen und sagen: „Siehst du, dafür bist du hier.“
Wir sind kilometerweit weitergelaufen, Berge hoch, Hügel runter, durch Straßen und Viertel, fast wie zwei Kinder auf dem größten Spielplatz der Welt. Little Italy, kleine alte Buchläden, die nach Papier, Sonne und vergangenen Jahrzehnten gerochen haben. Jede Ecke hatte das Gefühl, als würde sie flüstern: Mach weiter.
Irgendwann kamen wir sogar an einem Postproduktionshaus vorbei, in dem Werner Herzog gearbeitet hat.
Jeder Schritt fühlte sich symbolisch an.
Als würde mir die Stadt selbst sagen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Und dann kam Bills Überraschung.
Als ich zurück bei ihm war, lagen da zwei Tickets.
San Francisco Giants.
Mein erstes richtiges Baseballspiel.
Ich habe mich gefühlt wie ein Teenager beim ersten Date. Aufgeregt, leicht nervös und absolut keine Ahnung von den Regeln. Aber in dem Moment, als wir das Oracle Park betreten haben, war das völlig egal. Der Geruch des Stadions, die Stimmen, die Farben, die Atmosphäre.
Baseball ist anders.
Langsamer als Fußball, aber auf eine seltsame Weise intimer. Die Spannung lebt nicht nur in den Aktionen, sondern vor allem in den Pausen.
Erst waren wir im VIP-Bereich, später weiter oben. Und von dort sah das ganze Feld fast aus wie ein Gemälde.
Ich habe mir einen Baseball gekauft.
Nur ein kleines Souvenir.
Aber in dem Moment war es viel mehr als das. Ein Stück Erinnerung, das ich nicht verlieren wollte.
Später am Abend sind wir durch Downtown in eine alte Bar gegangen, in der Bill früher Stammgast war. Sagen wir mal so: Der Weg dorthin hatte Charakter. Definitiv nicht Disneyland. Aber als wir ankamen, fühlte es sich an wie eine Szene aus einem Film. Der Barkeeper begrüßte Bill wie Familie, und plötzlich saßen wir da, lachten unter Decken voller alter Fotos und völlig absurder Erinnerungsstücke, tranken und ließen die Nacht einfach passieren.
Am nächsten Morgen ging es direkt weiter. Bill hatte einen Chiropraktiker-Termin in Cupertino, und ich durfte dabei sein. Zu sehen, wie kleine Justierungen im Körper große Auswirkungen haben können, war auf eine seltsame Weise faszinierend.
Und dann kam für mich einer der größten Momente.
Apple Park.
Ich war schon immer ein Apple-Kind. Deshalb hat sich das Besucherzentrum fast wie eine Kathedrale angefühlt. Die AR-Modelle des Campus, das Design, die Details — alles wirkte durchdacht, elegant und gleichzeitig menschlich.
Danach sind wir am alten Haus von Steve Jobs vorbeigefahren, an der legendären Garage, in der alles begonnen hat. Und genau da wird dir klar, dass jede große Geschichte klein anfängt.
Ein Raum.
Eine Garage.
Eine Idee.
Ein Gespräch.
Später sind wir wieder durch San Francisco gefahren, und Bill wollte mir ganz bewusst auch die ungeschönte Seite zeigen. Die kaputten Ecken, die Schattenseiten, die Orte, die Touristen lieber nicht sehen.
Und seltsamerweise hat mich genau das am meisten bewegt.
Weil eine Stadt ohne Schatten keine Seele hat.
Wir haben Kaffee getrunken, den legendären Irish Coffee im Buena Vista probiert und ich durfte endlich mit dem Cable Car fahren, das ich schon in so vielen Filmen gesehen habe.
Diese steilen Hügel hoch.
Für einen Moment habe ich mich gefühlt wie ein Kind an Weihnachten.
Und dann war es plötzlich Zeit, Abschied zu nehmen.
Zurück bei Bill, diese letzten Minuten, dieses Danke, das man eigentlich gar nicht groß genug ausdrücken kann.
Zwanzig Meilen zu Fuß in den Beinen und tausend neue Gedanken im Kopf.
Auf dem Rückweg nach Los Angeles habe ich Podcasts über Editing gehört, einen anderen YouTuber kennengelernt, mit ihm über Algorithmen und Reichweite gesprochen und die Landschaft draußen vorbeiziehen lassen wie Szenen aus einem Film.
Und dann das Hostel.
Mein Zuhause für die nächsten drei Wochen.
Kleines Bett, kleiner Kühlschrank, begehbarer Kleiderschrank, Balkon mit Blick auf East Hollywood.
Und seltsamerweise war ich stolz.
Nicht, weil es luxuriös war.
Sondern weil es genau der richtige Ort für dieses Kapitel war.
Ich habe mich aufs Bett fallen lassen und plötzlich gemerkt, wie hungrig ich eigentlich bin. Also bin ich nochmal los, habe mir vegane Mac and Cheese geholt und den Abend mit etwas beendet, das mein Herz auf eine absurde Weise berührt hat: ein Bild von einer Katze, die unbedingt wie ein Tiger aussehen wollte.
Und irgendwie war das ich.
Ein bisschen hungrig.
Ein bisschen wild.
Ein bisschen verloren.
Aber genau da, wo ich sein soll.
Das ist Schnitzel Goes to Hollywood.
Und die Geschichte geht weiter.
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