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Zwischen Absturz und Flamme — Eine Woche zwischen Dunkelheit und Leben

Bevor das hier überhaupt richtig beginnt, muss ich etwas sagen. Was du jetzt siehst, ist kein schöner Abschnitt. Kein motivierendes Highlight. Das hier ist ein tiefer Punkt. Eine depressive Phase, die nicht anklopft, sondern dich einfach runterzieht. Und wenn du das nicht kennst oder sensibel auf so etwas reagierst, kann es dich treffen. Aber das ist mein Leben. Ungefiltert. Ich bin nicht hier, um nur die starken Momente zu zeigen. Ich bin hier, um zu zeigen, dass selbst im Absturz noch etwas da ist, das weiterlebt.

 

Woche fünf begann fast normal. Gary hat mich zu einem After-Work-Event in Berlin mitgenommen. So ein Ort, an dem Arbeit und Inszenierung verschwimmen. Menschen mit Drinks in der Hand, Ideen fliegen durch den Raum, als wären sie nichts wert. Startup-Gründer, App-Leute, Immobilienmenschen, die ganze Stadt in Zahlen zerlegen und wieder zusammensetzen. Normalerweise ist das nicht meine Welt, aber es ist faszinierend zu sehen, wie dort ganze Träume gehandelt werden. Für einen Moment habe ich mitgespielt. Habe von meiner zukünftigen Villa in den Bird Streets in Los Angeles gesprochen, halb als Witz, halb als etwas, das ich längst als Realität akzeptiert habe. Und plötzlich hatte ich dieses Gefühl, dass Berlin mich ein kleines Stück zurückhalten will. Als würde die Stadt leise sagen: Bleib doch noch.

 

Dann kam der nächste Wechsel. Prison Island. Kein normales Spiel, kein Escape Room, den man einfach durchläuft. Dunkle Gänge, Druck, Zeit, Aufgaben, die dich zwingen, sofort zu reagieren. Buttons, Codes, ein U-Boot mit Morsezeichen, und dein Kopf fragt sich, ob du das überhaupt noch kannst. Du schwitzt, lachst, scheiterst, versuchst es nochmal. Und irgendwo in diesem Chaos spürst du es. Dieses Gefühl, wirklich da zu sein. Deinen Körper und deinen Kopf gleichzeitig zu benutzen. Nicht zu denken, sondern zu handeln. Gewinnen war egal. Es ging darum, sich lebendig zu fühlen.

 

Danach ging es direkt weiter in eine komplett andere Welt. Eine Restaurant-Eröffnung auf dem Kudamm. Und auf einmal wirkte Berlin wie eine Version von Hollywood. Licht, Musik, Menschen, die sich bewegen, als wären sie Teil von etwas Größerem. Gespräche, die an dir vorbeiziehen, Namen, die fallen, Energie, die sich auflädt. Und ich mittendrin. Ein Glas in der Hand, beobachtend, spürend, wie die Stadt anfängt, mit mir zu spielen. Dieses Gefühl, wenn ein Ort beginnt, dich zu verführen. Wenn er dir zeigt, was möglich wäre, wenn du bleibst.

 

Auf dem Rückweg lag die Stadt in diesem warmen, fast brennenden Licht des Sonnenuntergangs. Der Geruch von Bier, Farbe, Essen in der Luft. Straßenkünstler, deren Werke im letzten Licht leuchten. Und dann zurück zu etwas, das schon immer da war. Meine Kindheitsfreunde. Fast dreißig Jahre Verbindung. Wir sitzen zusammen, spielen dasselbe Spiel wie früher, bauen digitale Welten, kämpfen um virtuelle Macht. Tagsüber denke ich an Hollywood, nachts baue ich Reiche aus Pixeln. Es klingt widersprüchlich, aber irgendwie gehört es zusammen.

 

Und dann kommt der Absturz. Ohne Ankündigung. Ohne Vorwarnung. Plötzlich ist alles schwer. Ich sitze da und merke, wie sich dieses Gefühl ausbreitet. Keine Energie, kein Antrieb. Und obwohl ich weiß, dass sich Dinge bewegen, fühlt es sich an, als würde nichts vorangehen. Als wäre ich wieder genau da, wo ich vor Jahren schon einmal war. Dieses Gefühl, festzustecken. Nicht rational, sondern tief drin.

 

Aber selbst in diesem Zustand habe ich etwas gemacht. Ich habe mein Vision Board aufgehängt. Eine kleine Handlung, aber sie hatte Gewicht. Ein Zeichen, dass ich noch etwas will, auch wenn ich es gerade nicht fühlen kann.

 

Und dann passiert etwas, das man nicht kontrollieren kann. Felix, ein Jazzmusiker, sitzt am Klavier und zerreißt die Nacht mit seinen Tönen. Jede Note schneidet durch den Raum. Und Gemma, eine Tänzerin aus Manchester, bewegt sich, als würde sie die Regeln von Schwerkraft neu schreiben. In solchen Momenten merkst du, dass Schönheit dich findet, selbst wenn du dich versteckst.

 

Wir essen später einfach, fettig, direkt, ohne Anspruch. Hände voller Soße, Lachen ohne Filter. Ich und Schwaby feiern bis tief in die Nacht. Und trotzdem kann ich danach nicht schlafen. Ideen kommen. Gedanken hören nicht auf.

 

Am nächsten Tag gehe ich ins Training. Härter als sonst. Ich zwinge meinen Körper, weil ich weiß, dass mein Kopf sonst nachgibt. Schmerz, Bewegung, Fokus. Wenn ich stehen bleibe, gehe ich unter.

 

Dann Schwabys Geburtstag. Gespräche, Menschen, Energie. Und Julia. Direkt, klar, ohne Umwege. Eine Frau, die sich in Deutschland etwas aufgebaut hat und genau weiß, wer sie ist. Diese Art von Ehrlichkeit ist selten, aber genau deshalb so stark.

 

Später nehmen wir einen alten Tresen aus unserem Büro und machen daraus eine Art Straßenfest. Musik, Essen, Menschen, die sich begegnen, ohne sich zu kennen. Berlin zeigt sich genau so, wie es ist. Ungeplant, chaotisch, lebendig. Die Nacht zieht sich weiter, als würde sie kein Ende kennen.

 

Am nächsten Tag wird alles wieder ruhiger. Ich schaue „Enemy at the Gates“. Zwei Scharfschützen, die sich durch eine zerstörte Welt bewegen. Fokus, Präzision, Geduld. Etwas daran bleibt hängen. Danach Technikläden, dann wieder Nachtleben. Berlin wechselt ständig sein Gesicht.

 

Und dann ist da Gary. Nicht einfach jemand, der die Stadt kennt. Sondern jemand, der sie übersetzt. Der dir Zugang gibt zu Momenten, die du allein nie finden würdest. Seine Party beweist genau das. Menschen, Energie, Begegnungen. Er begrüßt jeden, als würde er dazugehören. Und plötzlich bist du Teil davon.

 

Ich treffe eine Comedian, scharf, direkt, ehrlich. Wir reden, lachen, verbinden uns für einen Moment. Es braucht nicht mehr, um Wirkung zu haben.

 

Am Ende des Abends stehe ich hinter der Bar, beobachte, wie Drinks durch die Luft fliegen, Musik pulsiert, alles verschwimmt.

 

Und trotzdem geht es weiter. Auch nach zwei Nächten, die alles fordern, gehe ich wieder trainieren. Ich habe meine kleinen Rituale. Gemüsebrühe am Abend, Elektrolyte, Dinge, die meinen Körper stabil halten. Kleine Systeme gegen das Chaos.

 

Dann Prenzlauer Berg. Ein Freund zeigt mir seine Welt. Vierzig Jahre an einem Ort und trotzdem entdeckt er immer noch Neues. Das hat mich getroffen. Diese Idee, dass selbst nach so viel Zeit noch Dinge verborgen sind.

 

Und dann der Abschluss. Eine kleine Jazzbar, versteckt, fast unsichtbar. Musiker aus verschiedenen Ländern, die sich dort treffen. Musik, die den Raum füllt, Stimmen, die sich überlagern. Für einen Moment fühlt es sich an, als würde alles stillstehen.

 

Und das war Woche fünf.

 

Chaos. Schönheit. Absturz.

 

Du hast mich unten gesehen. Du hast mich oben gesehen. Du hast mich dazwischen gesehen.

 

Ich bin nicht hier, um sicher zu spielen.

 

Ich bin hier, um zu brennen.

 

Das ist Schnitzel Goes to Hollywood.

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