Ein weiterer Tag ist vorbei und ich bin wieder auf dem Weg ins Büro. Kein Reset, kein klarer Schnitt, einfach weitermachen. Ich bin müde. Nicht einfach nur körperlich, sondern diese tiefe Erschöpfung, die irgendwo zwischen Kopf und Körper sitzt. Diese Woche hat alles gefordert. Und trotzdem liegt noch etwas vor mir. Es gibt immer noch etwas zu tun. Also gehst du weiter. Schritt für Schritt.
Die dritte Woche begann nicht strukturiert. Sie hat sich eher eingeschlichen, fast spielerisch. Max war da, eine Sängerin, die man vielleicht schon kennt. Und für ein paar Tage drehte sich alles um ihren Hund Lincoln. Es klingt nebensächlich, fast banal, aber genau solche Dinge geben Halt. Während ich tief im Schnitt war, in diesem Zustand, in dem Zeit keine Rolle mehr spielt, war Lincoln einfach da. Ruhig, beobachtend, fast so, als würde er verstehen, was wir selbst noch nicht ganz greifen.
Um mich herum war Bewegung. Alice21 mitten in einem Fotoshooting. Menschen, Energie, kreative Unruhe. Und ich irgendwo dazwischen. Halb im Bildschirm, fokussiert auf Frames und Schnitte. Halb in diesem kreativen Chaos, das gleichzeitig anstrengend und notwendig ist.
Dann kam der nächste Wechsel.
Nach langer Zeit saß ich endlich wieder mit Tiamo zusammen. Ein alter Freund, Investor, jemand aus einer früheren Phase meines Lebens. Wir trafen uns bei ihm in Berlin. Es war einer dieser Abende, die sich gleichzeitig vertraut und neu anfühlen. Wir haben gelacht, richtig gelacht, und sind dann plötzlich in eine ganz andere Welt abgetaucht. Stundenlang Settlers of Catan gespielt, als gäbe es nichts anderes.
Es war erdend. Kein Druck, kein Ziel, einfach nur Präsenz. Und mittendrin Cookie, sein Hund, der sich ganz selbstverständlich zum Mittelpunkt des Abends gemacht hat.
Am nächsten Morgen ging es weiter. Zug nach Hannover. Kein Übergang, einfach Bewegung. So fühlt sich diese ganze Reise an. Ein Ort geht in den nächsten über, ohne dass man wirklich innehält. Hannover hat mich anders empfangen. Ein Garten, ein Grill, veganes Essen auf dem Feuer. Rauch, Stimmen, Lachen. Menschen, die ich lange nicht gesehen habe.
Es fühlte sich nicht an wie ein Besuch. Es fühlte sich an wie Ankommen.
Wir haben gegessen, bis es zu viel war, geredet, bis Gedanken ineinander übergingen, getanzt, ohne darüber nachzudenken. Die Nacht hat sich in den Morgen gezogen, als hätte die Zeit für einen Moment aufgehört zu existieren.
Am nächsten Tag wurde es ruhiger. Doktor Dieter Kindermann hat mich zur Seite genommen. Ein kurzes Gespräch, aber mit Gewicht. Manche Worte brauchen keine Länge, um zu wirken. Danach bin ich mit Martina einfach durch die Stadt gezogen. Ohne Plan. Ohne Ziel. Gespräche mit Fremden, Musik auf der Straße, kleine Details, die man sonst übersieht.
Zum ersten Mal seit längerem war ich nicht im Stress.
Auf der Rückfahrt habe ich The Studio geschaut. Chaos, Probleme, alles gleichzeitig. Menschen, die versuchen, in letzter Sekunde Lösungen zu finden. Und ich musste lächeln, weil genau das für mich Hollywood ist. Nicht perfekt, nicht glatt, sondern lebendig, unberechenbar, intensiv.
Zurück in Berlin kam eine andere Art von Fokus. Ich habe meine alte 60mm Kamera rausgeholt. Ein Stück, das ich schon lange mit mir herumtrage. Nicht nur als Werkzeug, sondern als Vision. Wir haben sie getestet. Licht auf der Linse, Schatten in einer Bar, Momente eingefroren.
Neunzig Minuten. Das ist das Ziel. Eine ganze Geschichte mit dieser Kamera zu erzählen. Schwer, wunderschön, voller Geschichte.
Und dann kommt wieder die Realität.
Diese Tage, an denen alles langsamer wird, als man es will. An denen Fortschritt sich unsichtbar anfühlt. Zweifel kommen zurück. Diese leise Form von Niedergeschlagenheit, die sich nicht ankündigt, sondern einfach da ist.
Nichts fühlt sich wirklich gut an in solchen Momenten.
Und dann kippt es wieder.
Ein Sportplatz wird zur Party. Musik, Menschen, Energie. Bier in der Hand, Lachen in der Luft. Ungeordnet, aber lebendig. Dort habe ich den Direktor eines bekannten Berliner Hotels kennengelernt. Ein Gespräch, das plötzlich Möglichkeiten eröffnet. Die Idee, Szenen für ein zukünftiges Projekt zu drehen.
So entstehen Dinge. Nicht geplant, sondern im Moment.
Am nächsten Tag habe ich mir bewusst eine Pause genommen. Dann wieder raus. Flohmarkt. Alte Filme, besondere Stücke, Dinge mit Geschichte. Ich habe Sachen gefunden, die für andere wertlos wirken, für mich aber Bedeutung haben.
Diese eine handgemachte Bauchtasche, die ich schon lange gesucht habe. Jedes Mal war die Künstlerin nicht da. Diesmal schon. Ich habe den Stoff berührt, die Nähte gespürt, und für einen Moment war es, als hätte ich etwas Größeres gefunden. Manchmal sind es genau diese kleinen Dinge.
Später habe ich meine Frau getroffen. Vegane Donuts, weich, süß, ein bisschen chaotisch. Dann Treffen mit Shreibi, meinem Manager. Ideen, Strategien, Gedanken, die sich gegenseitig verstärken. Alles in Bewegung, während die Stadt einfach weiterläuft.
Zurück nach Hause. Laptop. Weiter an der Animation für Schnitzel Goes to Hollywood. Frame für Frame. Etwas entsteht langsam. Man sieht lange nicht das Ganze, aber man macht weiter.
Und trotzdem Raum für das, was nicht geplant ist. Für meine Frau. Für echte Momente.
Irgendwann standen wir auf einem Friedhof. Die Gräber der Demokraten von 1848. Menschen, die versucht haben, ein System zu verändern und gescheitert sind. Es fühlte sich nicht nach Vergangenheit an, sondern nach etwas Gegenwärtigem. Und zu wissen, dass viele von ihnen später in die USA gegangen sind und dort Einfluss hatten, hat etwas ausgelöst.
Diese Verbindung. Zwischen Europa und Amerika. Zwischen Scheitern und Wirkung.
Am Abend habe ich Farouk getroffen, einen Schauspieler. Gespräche, die tief gingen. Dann kam ein Freund dazu, jemand, der Teil von Filmen war, die man kennt. Geschichten, die sich fast wie Kino angefühlt haben, aber echt waren.
Weitere Treffen, weitere Planungen mit Alice21, neue Aufnahmen, neue Ideen.
Irgendwann habe ich sogar meinen Look verändert. Eine kleine Sache, aber sie steht für mehr.
Dann wieder Alltag. Einkaufen fürs Büro. Cherry Coke, Kleinigkeiten, deutsches Brot. Das Leben bleibt bodenständig, egal wie groß die Gedanken sind.
Training. Bewegung. Schlaf wird zweitrangig.
Und dann war die Woche vorbei.
Aber nicht leise. Sie fühlte sich an wie ein kompletter Film. Freundschaft, Chaos, Geschichte, Kreativität, Erschöpfung, Nähe, alles gleichzeitig.
Diese dritte Woche war kein Kapitel.
Sie war ein ganzer Film.
Und ich bin noch mittendrin.
Das ist Schnitzel Goes to Hollywood. Bis nächste Woche.
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