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Eine Woche, die sich wie ein ganzes Leben angefühlt hat — Von Berlin nach Dortmund und zurück

Diese Woche hat nicht gefragt. Sie hat nicht langsam angefangen. Sie hat mich einfach aus Berlin rausgezogen und nach Dortmund geworfen. Keine Stadt, von der man träumt. Aber manchmal entscheidet das Leben nicht danach, was man sich wünscht, sondern danach, wohin man gerade gehört.

 

Der Grund war die Mindatorium-Tour. Etwas, das schon länger in meinem Umfeld existierte, irgendwo zwischen Vision, Experiment und Bewegung. Ich kam in Dortmund an, ohne große Erwartungen. Und genau dann passieren meistens die Dinge, die etwas verändern.

 

Die ersten Minuten fühlten sich fast absurd an. Ich sitze im Auto bei jemandem, den ich gerade erst kennengelernt habe, und frage mich, wie ich überhaupt hier gelandet bin. Lars. Filmemacher. Bremen. Eine Verbindung, die sich sofort vertraut anfühlt, obwohl man sich kaum kennt. Gespräche, die oberflächlich beginnen, aber schnell tiefer gehen, als man erwartet.

 

Im Hotel angekommen, hat sich die Atmosphäre sofort verändert. Es war kein normaler Ort. Es war ein Raum voller Menschen, die alle überzeugt waren, an etwas Größerem zu arbeiten. Ideen lagen in der Luft. Gespräche überlagerten sich. Energie, die irgendwo zwischen Inspiration und Selbstüberschätzung lag. Und plötzlich war ich mittendrin.

 

Nicht als Beobachter. Sondern als Teil davon.

 

Und genau da kam etwas zurück, das ich fast vergessen hatte. Persönlichkeitsentwicklung. Nicht als Trend oder Buzzword, sondern als echte Notwendigkeit. Wenn du von Menschen umgeben bist, die alle wachsen wollen, kannst du dich nicht verstecken. Du wirst automatisch gezwungen, dich selbst zu hinterfragen.

 

Und dann sehe ich sie. Meine ehemaligen Schüler.

 

Mehrere von ihnen. In einem Raum. Gleichzeitig.

 

Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele von ihnen noch einmal wiedersehe. Es war ein seltsames Gefühl. Fast so, als würde man durch einen Raum voller Erinnerungen laufen. Nur dass diese Erinnerungen jetzt eigene Wege gehen, eigene Entscheidungen treffen, eigene Geschichten schreiben.

 

Und während ich sie sehe, sehe ich gleichzeitig mich selbst.

 

Wer ich damals war.

Wer ich dachte, dass ich werde.

Und wer ich heute bin.

 

Das ist kein angenehmer Moment. Aber ein ehrlicher.

 

Dortmund war aber nicht nur Arbeit. Das Leben mischt Dinge, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Und plötzlich stand Steven vor mir. Ein alter Freund. Ein Ausnahmetalent.

 

Ihn wiederzusehen war, als würde man frontal auf eine frühere Version von sich selbst treffen. Keine Metapher. Sondern ein echtes Gefühl.

 

Er hat mich direkt ins Gym mitgenommen. Keine Diskussion. Einfach machen.

 

Und plötzlich war ich wieder in einem Raum, in dem man sich nicht verstecken kann. Training ist ehrlich. Es zeigt dir sofort, wo du stehst. Und er hat es innerhalb von Sekunden gesehen. Die kleinen Fehler. Die Abkürzungen. Die Ungenauigkeit.

 

Mit der Zeit wird man nachlässig. Jeder wird das. Man macht Wiederholungen schneller, sauberer sieht es vielleicht aus, aber innen stimmt es nicht mehr. Und genau das hat er erkannt.

 

Er hat mich gezwungen, langsamer zu werden. Die Bewegung wieder wirklich zu fühlen. Vor allem die exzentrische Phase. Das Absenken. Der Teil, den fast jeder ignoriert, weil er unangenehm ist. Aber genau dort passiert das echte Wachstum.

 

Das war mehr als Training. Das war eine Erinnerung.

 

Danach ist der Abend komplett gekippt. Von Disziplin zu Chaos. All-you-can-eat beim Chinesen. Teller aufeinander gestapelt wie früher. Sich gegenseitig herausfordern, noch eine Runde zu gehen. Noch ein Teller. Noch ein bisschen mehr.

 

Dann Billard. Stundenlang. Das grüne Tuch unter Neonlicht. Das Geräusch der Kugeln, das durch den Raum hallt. Gespräche, die zwischen Fokus und völliger Sinnlosigkeit wechseln. Es hatte etwas Endloses.

 

Bis der Morgen kam.

 

Ich bin aufgewacht, unruhig, verschwitzt, innerlich angespannt. Dieses Gefühl, wenn dein Kopf schon läuft, bevor dein Körper bereit ist. Also bin ich raus. Tasche gepackt und zu Starbucks.

 

Nicht weil es besonders ist. Sondern weil es neutral ist. Platz. Geräusche, die nicht erdrücken. Und funktionierendes WLAN.

 

Ich habe angefangen, „Never Split the Difference“ zu hören. Verhandlung, Psychologie, Kontrolle. Es hat mich sofort gepackt. Gerade in solchen Momenten, wenn man innerlich nicht ganz stabil ist, trifft neues Wissen oft viel stärker.

 

Dann kamen Philip und Marcel dazu. Plötzlich war ich nicht mehr allein. Drei Leute, konzentriert, über Bildschirme gebeugt. Schneiden, anpassen, entscheiden. Jeder Frame wichtig. Jeder Schnitt bewusst.

 

Die Zeit ist einfach verschwunden.

 

Und dann kam Dienstag. Eine ganz andere Energie. Treffen in Duisburg mit dem Leiter der Walker Stocker Convention. Ein Restaurant, das besser war, als man es dort erwarten würde. Gespräche, die nicht klein bleiben. Sondern sich ausdehnen. Die dich denken lassen: Das hier könnte wichtig werden.

 

In derselben Nacht haben wir bis drei Uhr morgens gearbeitet, um einen finalen Cut für einen Kunden fertigzustellen. Montag war Abgabe. Es war Donnerstag. Kein Raum für Zweifel. Nur Umsetzung.

 

Drei Stunden später ging es weiter. Sechs Uhr morgens. Kaum Schlaf. Nur Bewegung.

 

Ich habe meinen alten Coach besucht. Jemand, der mich früher komplett auseinander genommen hat, um mich neu aufzubauen. Der mich an Punkte gebracht hat, an die sonst niemand gegangen ist.

 

Jetzt stand ich wieder vor ihm.

 

Und er hat mir ein Statement für ein langfristiges Projekt gegeben. Seine Worte hatten Gewicht. Nicht, weil sie gut klangen. Sondern weil sie aus echter Erfahrung kamen. Aus Dingen, die er selbst durchlebt hat.

 

Danach ging es direkt weiter. Kein Stillstand. Nächster Dreh. Schnell, roh, improvisiert. Eine Szene, die nicht perfekt geplant war. Aber genau deshalb funktioniert hat. Weil sie lebendig war.

 

Und dann zurück nach Berlin.

 

Wenn ich auf diese Woche zurückblicke, fühlt sie sich nicht wie eine Woche an. Eher wie mehrere Leben, die gleichzeitig passiert sind. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, alles übereinandergelegt.

 

Manchmal fühlt es sich so an, als würden alle Versionen deiner selbst gleichzeitig auftauchen. Dich prüfen. Dich vergleichen. Dich herausfordern.

 

Und ich bin einfach weitergegangen.

 

Denn genau darum geht es.

 

Ich bin nicht nur für ein Projekt nach Dortmund gefahren. Ich bin dorthin gefahren, um mich selbst zu messen. Um herauszufinden, ob ich heute noch auf Augenhöhe mit der Person stehen kann, die ich einmal war.

 

Die Antwort ist nicht einfach.

 

Aber ich bewege mich noch.

 

Und das reicht erstmal.

 

Das ist Schnitzel Goes to Hollywood. Bis nächste Woche.

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